In der Süddeutschen Zeitung findet man eine Liste der Musiker und Lieder, die zu Folterzwecken in Guantanamo benutzt wurden. Darunter (wahrhaft nervige) Interpreten wie Britney Spears oder Aerosmith. Die Musikfolter-Methode wurde spätestens seit 1989 von amerikanischen Militärs benutzt, als man versuchte den Präsidenten Panamas, Manuel Norriega, mit Hilfe eines „akustischen Bombardements“ mit sehr lauter Hard Rock und Heavy Metal Musik zur Aufgabe zu „foltern“ – was schließlich auch gelang. Die Geburt einer neuen erfolgversprechenden Kriegstaktik.
Bruce Springsteen hat sich bereits über die Verwendung seines Hits „Born in the USA“ in Guantanamo öffentlich empört. Am 60. Jahrestag der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“, schlossen sich ihm nun Künstler wie Massive Attack, Elbow, Tom Morello (Rage Against The Machine), James Lavelle (Unkle), Matthew Herbert oder Bill Bailey in einem Statement an. „Wir sprechen hier über Menschen in einem abgedunkelten Raum, durch Handschellen fixiert, mit Säcken über ihren Köpfen und über ohrenbetäubend laute Musik, die auf sie niederprasselt“, sagt etwa der Musiker David Gray. „Das ist nichts anderes als Folter. Dabei spielt es keine Rolle, welche Musik sie spielen.“
An diesem Punkt würde ich dem englischen Folk-Rocker Gray jedoch widersprechen: Es macht sehr wohl aus, welche Musik gespielt wird. Hier eine (zugegeben rein subjektive) „Top10 Hitliste des Grauens“, bei der zumindest ich alle Verbrechen dieser Welt im Nu gestehen würde.
1. Bon Jovi: It’s my life (Link)
2. Tina Turner: Simply the best (Link)
3. Europe: The Final Countdown (Link)
4. Patrick Swayze: She’s like the wind (Link)
5. Bill Medley/Jennifer Warns: (I’ve had) The time of my life (Link)
6. Scorpions: Wind of Change (Link)
7. Hermes House Band: Take me Home, Country Roads (Link)
8. Aerosmith: Crazy (Link)
9. Robbie Williams: Let me entertain you (Link)
10. Survivor: Eye Of The Tiger (Link)
Stanley Kubricks Meisterwerk The Clockwork Orange (1971) mag den amerikanischen Militärs möglicherweise als Vorbild für diese besonders perfide Art der Folter gedient haben. In dem auf dem gleichnamigen Roman von Anthony Burgess basierenden Film wird der Protagonist Alex DeLarge in einer Klinik stundenlang mit Gewaltfilmen und lauter Musik gefoltert – ein Art Re-Sozialisierungsprogramm der Regierung für delinquente Jugendliche.
Links:
Hells’s Bells in Guantanamo – Süddeutsche Zeitung (gefunden via Fefes Blog)
Music Torture (Wikipedia)
Music as Torture / Music as Weapon von Suzanne G. Cusick (musikwissenschaftlicher Artikel)
A Clockwork Orange (Wikipedia)
