Der zweite Spielfilm des schwedischen Nachwuchsregisseurs Lukas Moodysson erzählt nicht nur eine Geschichte, sondern gleich mehrere – und das mit einem Humor, den man von schwedischen Filmen eigentlich nicht gewöhnt ist. Im Heimatland Moodysons gilt es nämlich ein schweres Erbe anzutreten: Das des Übervaters des schwedischen Kinos, Ingmar Bergmann, der mit seinen Filmen aus den 70er Jahren ein beängstigend tristes und vor allem schwermütiges Bild bürgerlicher Beziehungsneurosen zeichnete. Die 70er Jahre sind es auch, die in „Zusammen“ porträtiert werden, jedoch aus einer gänzlich anderen Perspektive.
Die Geschichte von „Tillsammans“ (2000) nimmt ihren Anfang mit Francos Tod im November 1975. Der Ort, an dem diese Nachricht mit Freudentänzen quittiert wird, ist eine Stockholmer Kommune. Dort leben mehrere Pärchen mit ihren Kindern und der ein wenig vereinsamte Erik (Olle Sarrin), der als einziger mit bitterem Ernst an die marxistisch-leninistische Sache glaubt. Zentrale Figur der WG ist jedoch der harmoniesüchtige Göran (Gustaf Hammarsten), dessen Weltbild in der Metapher eines warm quellenden Haferbreis aufgeht. Bis, ja bis seine Schwester Elisabeth (Lisa Lindgren) vor der Tür steht, die ihren Mann Rolf (Michael Nyqvist) verließ, weil dieser sie geschlagen hat.
Eilsabeth bringt nicht nur ganz neue Töne in die Kommune (z.B. ABBA) sondern auch ihre beiden Kinder, Stefan (Sam Kessel) und Eva, der die damals erst dreizehnjährige Emma Samuelsson eine wundervoll verhaltene Gestalt verleiht. Zwar verliebt sich die kleine Eva in den Nachbarssohn, doch leidet sie sichtlich an der Ehekrise ihrer Eltern, zumal ihre Mutter bereits nach kurzer Zeit mit der lesbischen Mitbewohnerin Anna (Jessica Liedberg) liebäugelt, sich dabei auch köstlich amüsiert, aber ihre mütterlichen Pflichten zusehends vernachlässigt. Anna wiederum, die sich wegen einer Pilzinfektion gezwungen sieht, unten ohne aufzutreten, hat einen Sohn mit Lasse (Ola Norell), von dem sie jedoch seit einiger Zeit nichts mehr wissen will. Und Lasse, der von seiner Frau partout nicht ablassen kann, erhält zärtliche Avancen vom schwulen Mitbewohner Klas (Shanty Roney), dessen mangelndes Selbstwertgefühl wegen Lasses Gleichgültigkeit offen in der WG-Küche ausdiskutiert wird.
Die Stärke des Films zeigt sich darin, dass diese fatale Kette an unerwiderten Begierden und Sehnsüchten nach Zweisamkeit und familiärer Geborgenheit nahezu gleichberechtigt an allen Figuren durchexerziert wird. Das gelingt vor allem dank einer hinreißenden Schauspielertruppe, die mit selbstverständlicher Leichtigkeit die Absurdität dieser selbstaufgelegten Gefühlstortur aufzeigt. So erweisen sich nach und nach die angestaubten Kommune-Ideale der 68er zuweilen als unwiderstehlich komisch. Ganz besonders wenn die freie Liebe doch nicht so recht funktionieren will, wie es die Haferbrei-Metapher eigentlich nahelegen müsste. Selbst der maßlos gutherzige Göran muss anerkennen, dass es Gefühle wie Eifersucht gibt, als ihm seine Freundin im gemeinsamen Bett von ihren Liebesnächten mit Erik erzählt – auch wenn es eine geraume Zeit und etwas Anschauungsunterricht braucht, bis ihm das klar wird.
Ganz allmählich halten auch Fernsehapparat, Hotdogs und Spielzeugsoldaten Einzug in die medien- und fleischabstinente Hausgemeinschaft. Eine kleine Revolution – angezettelt durch die Kinder, die somit die Spirale der Rebellion gegen die Elterngeneration fortführt. Eine gewisse Nostalgie bleibt jedoch, wenn zum Schluss, trotz Moodyssons feinfühlig-ironischer Demaskierung der 68er Ideale, das „Zusammen“ -sein und -leben als einzig mögliche Existenzgrundlage anerkannt wird, und im alle Gegensätzlichkeiten versöhnenden Fußballspiel im Schnee aufgelöst wird.
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