Zwei der derzeit besten TV-Anbieter, HBO und die BBC, produzierten diese vierteilige TV-Miniserie über den irakischen Ex-Diktator Saddam Hussein. Die Dramatisierung von Saddams Leben fängt im Jahr 1979 an. Ein Schlüsseljahr der jüngeren irakischen Geschichte, denn hier fängt Saddams politischer Aufstieg an, wenn er zum Generalsekretär der Ba`th Partei ernannt wird und kurz darauf zum Präsidenten Iraks.
Die darauffolgenden 24 Jahre werden als Familiendrama mit Soap-Elementen inszeniert. Das hat seine Stärken und Schwächen. Wir erfahren über Saddams Leidenschaft für eine ziemlich attraktive Blondine (die verheiratete Lehrerin Shamira Shahbandar), mit der er seine hysterische Frau betrügt und sie später deswegen auch verlässt. Wir verfolgen das wilde, unkontrollierte Treiben von Saddams ältesten Sohn, dem sadistisch veranlagten Uday Hussein, der aus Spaß Menschen mordet und vom eigenen Vater ins Gefängnis gesperrt wird. Wir werden Zeuge, wie die beiden Ehemänner von Saddams Töchter Raghad und Rana, nach dem ersten Golfkrieg samt Ehefrauen in das benachbarte Jordanien fliehen und UN-Inspekteuren und der CIA Akten über Saddams geheime Waffenpläne übergeben, dafür jedoch mit dem Leben bezahlen. Schließlich erfahren wir, wie sich Saddam in den Monaten nach der Invasion Iraks durch US-Truppen 2003 nahe Tikrit versteckte und von US-Soldaten „ausgegraben“ wurde.
Der Charakter Saddams (gespielt von dem israelischen Schauspieler Igar Naor) erscheint dabei – ganz den Gesetzen von TV-Dramaturgien und „Great-Man“-Historiographen folgend – zentral im Aufstieg und Fall einer gesamten Nation. Ganz wie bei Francis Ford Coppolas „Der Pate“ steht ein paranoider, skrupelloser und größenwahnsinniger „Don“ im Mittelpunkt eines eigentlich recht rührenden und tragischen Familienepos. Der „Vater der Nation“ kümmert sich dabei in aller erster Linie um die Wahrung von Ehre, Stolz und Größe der Familie Hussein, und weniger um politische oder ökonomische Belange seines Landes. Nepotismus und die ewige Angst Saddams vor dem Verrat aus den eigenen Reihen erklären in diesem TV-Drama einerseits, wie sich der Diktator über zwei Jahrzehnte an der Macht hielt, andererseits wie er seine stalinistischen Methoden auch in die eigene Familie hineingetragen hat und diese in gewisser Weise zu seinem eigenen Absturz führten.
Die Schwäche dieser einseitigen Herangehensweise ist jedoch auch augenfällig. Der Krieg gegen den
Iran in den 80er Jahren erscheint hier als privater Feldzug Saddams gegen den verhassten Ayatollah Khomeni; Saddams Paranoia vor dem ultimativen Verrat als einzige Erklärung für seinen „Krieg“ gegen das eigene Volk; die US-Invasion 2003 wird schließlich völlig unerklärt gelassen. Die fehlenden komplexen internationalen politischen Kontexte sind selbstverständlich dem Format „TV-Drama“ anzulasten, und einer gewissen anglo-amerikanischen Lust und Neigung, „Geschichte“ als „Great-Man“ Plot zu interpretieren. Dennoch haben die beiden Drehbuchautoren Alex Holmes und Stephen Butchard in Interviews mit Augenzeugen, Akademikern und Mitgliedern von Saddams Regime, viele interessante Details aus Saddams Privatleben recherchiert und dies auch kohärent zu einem spannenden und sehenswerten Familiendrama zusammengesponnen.

Ein guter Hinweis auf eine interessante Serie !
Von: Stephan Turowski am 8. September 2008
um 11:54