Verfasst von: medienkritik | 20. Dezember 2007

Die besten Kinofilme 2007

Die amerikanischen Blockbuster verlieren in meiner Top5 Liste gegen ein low-budget Streifen aus Irland, den in Deutschland noch keiner kennt: Once. Insgesamt jedoch ein recht mageres Kinojahr verglichen mit 2006, wo es recht herausragende Produktionen, wie etwa Babel, Der letzte König von Schottland, Blood Diamond und Children of Men gab.

1. Once (Regie: John Carney)
In Deutschland kennt diesen Film leider (noch) niemand, aber dieser low-budget Streifen aus Irland ist nahezu perfekt. Eigentlich ist der Film ein Musical mit wundervoll melancholisch-leidenschaftlichen Gitarrenballaden von Glen Hansard (Leadsänger der irischen Rockband The Frames) und Markéta Irglová, die ihn am Klavier begleitet. Die Geschichte eines Straßenmusikanten, der sich in eine tschechische Auswanderin verliebt ist schlicht und authentisch erzählt. Es geht um unentdecktes Talent und unerfüllte Liebe. Mein Film des Jahres 2007 … (Starttermin in Deutschland: 17. Januar). IMDb Link

2. There Will Be Blood (Regie: Paul Thomas Anderson)
Amerika im Zeitalter des Raubtierkapitalismus: alles ist erlaubt, nichts heilig. Anfang des 20. Jahrhunderts werden in den USA zunehmend Ölquellen entdeckt und Öl wird zum schwarzen Gold der zweiten industriellen Revolution. Der Verfilmung von Upton Sinclairs Roman “Oil” (1927) gelingt es realsitisch und dennoch in geradezu poetischen Bildern, den moralischen Zerfall eines Ölmagnaten (Daniel Day Lewis) vor dem Hintergrund des zunehmenden Wertezerfalls der amerikanischen Gesellschaft aufzuzeigen. Zentral ist dabei die Geschichte eines Betrugs: der vereinsamende Ölmagnat, der die verarmende Familie Sunday gnadenlos ausbeutet. Genial: der Soundtrack des Radiohead Gitaristen Johnny Greenwood!
IMDb Link

3. Abbitte (Regie: Joe Wright)
“Abbitte” bezeichnet das Bitten um Vergebung von Schuld. In religiösen Zusammenhängen spricht man auch von Sühne. In dieser Ian McEwan Verfilmung jedoch leistet die Erzählung im Film selbst die Abbitte für eine Schuld der Ich-Erzählerin: denn die Sühne besteht darin, eine längst verjährte Lüge einzugestehen. Diese wunderbare Liebesgeschichte lebt natürlich von der brillianten Romanvorlage McEwans – “Atonement” gilt als sein bestes Buch. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven und mittels verschiedener narrativer Techniken erzählt, so dass aus einem simplen Dreiecks Eifersuchts Plot, ein vielschichtiges Meisterwerk entstand. Am besten man liest jedoch gleich das Buch, deshalb hier der Link zu Ian McEwans Webseite.

4. American Gangster (Regie: Ridley Scott)
Gangster Epos von Altmeister Ridley Scott mit einem starken Denzel Washington in der Hauptrolle. Das New York der Vietnamzeit aus der Perspektive schwarzer Ghettogangster. Eigentlich eine Art historische Fortsetzung von Coppolas Pate Teil 2, in der die Konkurrenz der Spaghetti Mafia (Glücksspielmafia vs. Heroinmafia) dargestellt wird. IMDb Link

5. The Great Debaters (Regie: Denzel Washington)
Amerikanischer Süden der 1930er Jahre: Ku-Klux-Klan, Rassismsus, Segregation und ungleiche Bildungschancen für Schwarze und Weisse. Der Film erzählt wie die Debatierklasse einer schwarzen Uni reihenweise Debatten gegen andere (schwarze und weisse) Unis gewinnt und schliesslich gegen Haravrd antritt. “Based on a true story” und zugleich eine Schilderung der Anfänge des “civil rights movements”.
IMDb – Link


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