Verfasst von: medienkritik | 22. September 2007

Archäologie visueller Medientechnologien

Ein ziemlich spannendes, aber noch recht unterentwickeltes akademisches Gebiet der Medienwissenschaften ist die Medien-Archäologie im Bereich der visuellen Medien. Einige herausragende Publikationen der letzten Jahre (darunter z.B. : Jonathan Crary: Techniques of the Observer. On Vision and Modernity in the 19th Century) thematisieren die komplexen Zusammenhänge zwischen Technologie, Wahrnehmung und der Geschichte der Visualität. Mit der Neudefinition des Medienbegriffs werden interdisziplinäre medienarchäologische Projekte in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich zunehmen.

Je nachdem wie weit man den Begriff „Medien“ definiert, könnte man das Gebiet der „Medien-Archäologie“ in zwei Teilbereiche unterteilen:

1) Frühe Schriftmedien: z.B Ägyptologie und diverse Altphilologien

2) Frühe visuelle Medien: von der Kunstgeschichte bis hin zur Filmwissenschaft

Altphilologen, Sprachwissenschaftler aber auch Kultur- und Kunsthistoriker beschäftigen sich schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts nicht nur mit frühen oralen, Schrift- und Manuskriptkulturen, sondern beispielsweise auch mit der Geschichte des Buchdrucks (z.B.: Elizabeth L. Eisenstein: The Printing Revolution in Early Modern Europe).

Die Archäologie früher visueller Medien ist jedoch noch ein recht junges akademisches Teilgebiet, eher als „Filmgeschichte“, „Kunstgeschichte“ oder „Geschichte der Fotografie“ geläufig. Dass frühe visuelle Medientechnologien nicht nur ein Bereich der Ästhetik oder Kunst, sondern eben auch Teil moderner „Technik-Evolution“ ist, wird zunehmend registriert.

Web-Tip:
Early Visual Media – A Pictorial Media Archeology (Thomas Weynants aktualisiert die neuesten Publikationen und Entwicklungen auf diesem Gebiet)

Literatur-Tip:
Siegfried Zielinski, Archäologie der Medien. Zur Tiefenzeit des technischen Sehens und Hörens.


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