Verfasst von: medienkritik | 15. Februar 2007

Die besten Kinofilme 2006

Kurz vor den Oscar Verleihungen (Sonntag, 25. Februar) präsentiere ich euch hier auch mal meine ganz persönliche „Best of“ des letzten Jahres. Ich habe 2006 zumindest versucht die wichtigsten Kinofilme anzuschauen, es aber natürlich nicht völlständig geschafft. Folgende angeblich ausgezeichnete Filme des letzten Jahres konnte ich deshalb in meiner Auswahl nicht berücksichtigen: Der gute Hirte, Little Children, Tagebuch eines Skandals, Letters from Iwo Jima und Pan’s Labyrinth.

Best Movie: Children of Men

Dieser britische Science Fiction Film hat mich regelrecht umgehauen. Eine zugleich düstere aber dennoch beängstigend realistische Zukunftsvision. In einer Welt, in der es keine Kinder mehr gibt und Immigranten behandelt werden wie Vieh, ist die britische Gesellschaft gespalten zwischen Suizidgefährdeten und Terroristen. Der Film (eine Adaption eines Romans von P.D. James) brilliert mit bestechender Authentitzität. In einer der besten Sequenzen, wähnt man sich nicht in einem Science Fiction Film, sondern inmitten eines Bürgerkriegs im Nahen Osten. Eine ausgezeichnete britische Dystopie in der Tradition von George Orwell’s 1984.

Best Director: Martin Scorsese (The Departed)
Brutaler Realismus zeichnet Scorseses Meisterwerk „The Departed“ aus. Oberflächlich betrachtet nur ein weiterer Cop / Mafia Film und eine Fortführung der bekannten Scorsese Themen: Ehre, Strassenkampf, Iren, Italiener und sozialer Aufstieg. Unterschwellig jedoch handelt der Film von einer gnadenlosen Welt in der keiner keinem trauen kann. Eine meisterhafte Komposition aus tollen Darstellern, intelligenter Story, brutalen Dialogen und kunstvoll arrangierter Authentizität.

Best Screenplay: Babel
Das Drehbuch ist wie ich finde spannender als das Endprodukt. Babel erzählt 3 ineinander verzahnte und dennoch voneinander unabhängige Geschichten in Mexiko, Japan und in Marrokko. Wie der Titel schon nahe legt, dreht sich bei Babel alles um „Kommunkations- missverständnisse“. Die Gründe sind jedoch nicht ganz so biblisch: Rassismus, Terroristen-Paranoia und soziale Ungerechtigkeit.

Best Cinematography: Children of Men
Die Kameraführung in diesem Film ist frei von Effekthascherei und dennoch beeindruckend. Ein Science Fiction Film gedreht im Stil einer Doku-Fiction, ohne sterile Innenräume oder fliegende Autos. Veles erinnert an die Orwell Verfilmung „1984″, etwa die matten Farben oder die Nachrkiegsmelancholie. Kameramann Emmanuel Lubezki wurde von der Academy zurecht in dieser Kategorie nominiert.

Best Actor: Leonardo Di Caprio (The Departed und Blood Diamond)
Die Wandlung, die der mittlerweile über 30-jährige vollzogen hat, nötigt auch mir – einem bisherigen DiCaprio Anti-Fan – Respekt ab. Hut ab für die Darstellung eines zynischen Diamantenjägers in Blood Diamond. Großes Lob auch für die Rolle in Scorsese’s The Departed, wo er einen intelligenten, aber aufgrund seiner Herkunft chancenlosen Cop spielt, der die lokale Mafiawelt ausspioniert. Der Titanic-Boy ist gereift und beeindruckt mit vom Leben gezeichneten und männlicheren Charakteren.

Best Actress:Jennifer Connelly (Blood Diamond)
Ich gebe zu: hier urteile ich etwas oberflächlicher als in den anderen Kategorien. Jennifer Connelly ist wie ich finde eine Traumfrau. Sie sieht nicht nur umwerfend aus, sondern strahlt auch eine Intelligenz aus, die über allen Dingen zu schweben scheint. Ihre Darstellung einer amerikanischen Journalistin in Sierra Leone ist makellos, wenn auch nicht sonderlich brilliant. Dennoch gehört sie zur Zeit zu einer meiner Lieblingsschauspielerinnen, auch wegen tollen Auftritten in Filmen wie A Beautiful Mind und einem der besten Filme der letzten Jahre, House of Sand and Fog.

Best suportng role male: Djimon Hounsou (Blood Diamond)
Hounsou ist in Afrika, Benin aufgewachsen und mit 13 nach Paris als illegaler Immigrant ausgewandert. Er musste unter Brücken schlafen und sich mit Nebenjobs verdingen, bevor er von einem Modedesigner für den Pariser Catwalk entdeckt wurde. In Blood Diamond spielt er einen afrikanischen Fischer, der seine Familie vor Rebellen rettet in von einem brutalen Bürgerkrieg zerrütteten Sierra Leone der 1990er Jahre. Angesichts seines biographischen Hintergruds eine umwerfend authentische Darstellung ohne Pathos oder Hass.

Best supporting role female: Adriana Barraza (Babel)
Die ergreifendste Darstellung in Babel war nicht die von Megastars wie Brad Pitt oder Cate Blanchet, sondern die der relativ unbekannten mexikanischen Schauspielrin Adriana Barazza. Die 50 jährige spielt eine mexikanische Immigrantin und Haushälterin eines reichen kalifornischen Paares und gerät unverschuldet in ein ziemliches Schlamassel, das letztendlich zur Abschiebung zurück nach Mexiko führt. Barazza’s Perfromace ist brilliant und geht unter die Haut.

Flop des Jahres: The Devil Wears Prada
Dummerweise war ich sehr gespannt auf diesen Film, in dem angeblich die glitzernde Modewelt zwischen Paris, Mailand und New York demaskiert wird. Letztendlich ist die Story nur pseudokritisch mit eingebauter Märchenstunde für pubertierende Mädels: hässliches Entlein mit Grips entpuppt sich als schöne Prinzessin mit edlem Gemüt usw. Nachzulesen das ganze auch bei Vogue oder Elle, mit diversen Shopping Tips.


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